{"id":180,"date":"2011-10-25T08:53:46","date_gmt":"2011-10-25T08:53:46","guid":{"rendered":"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/?page_id=180"},"modified":"2011-10-25T09:07:08","modified_gmt":"2011-10-25T09:07:08","slug":"isolator-ii-forderpreis-der-deutschen-filmkritik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/filme\/isolator-ii\/isolator-ii-forderpreis-der-deutschen-filmkritik\/","title":{"rendered":"Isolator II F\u00f6rderpreis der deutschen Filmkritik"},"content":{"rendered":"<p class=\"page-title\"><a href=\"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/?page_id=149\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/isolator2.jpg\" alt=\"Isolator II Dokumentarvideo 1996\" title=\"ISOLATOR II\" width=\"180\" height=\"120\" class=\"size-full wp-image-15\" srcset=\"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/isolator2.jpg 180w, https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/isolator2-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"page-title\"><a href=\"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/?page_id=149\">\u2190 zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p>DUISBURGER FILMWOCHE<br \/>\nF\u00d6RDERPREIS DER DEUTSCHEN FILMKRITIK IN DER SPARTE DOKUMENTARFILM<\/p>\n<p>Die Jury der Arbeitsgemeinschaft der Filmjournalisten vergibt den F\u00f6rderpreis in der Sparte Dokumentarfiim an: ISOLATOR II von Martin Zawadzki<\/p>\n<p>> Begr\u00fcndung der Jury der Arbeitsgemeinschaft der Filmjournalisten Mo Beyerle, Karin Jurschick, Klaus Gronenborn<br \/>\n> Diskussion mit Martin Zawadzki (Regie &#038; Buch), Gerd Haag (Produzent), Dr. Volker Runde (KMT-Spezialist)<\/p>\n<p>Begr\u00fcndung:<\/p>\n<p>Isolator II bringt auf eindringliche Art und Weise eine durch die eigene Grenzerfahrung einer lebensbedrohlichen Krankheit ausgel\u00f6ste Ambivalenz gegen\u00fcber dem medizinischen Fortschritt zum Ausdruck. Der Film macht ein grundlegendes Dilemma augenf\u00e4llig: Mit der Vermessung des Menschen, seiner Anpassung an standardisierte Normen wird die moderne Medizin Teil eines Systems, das die Krankheit, um deren Heilung sie ringt, bis zu einem gewissen Grad mitverursacht. Der Film l\u00f6st dieses Dilemma nicht auf. Gerade deshalb wirft er den Betrachter auf seine eigene K\u00f6rperlichkeit zur\u00fcck und fordert zur Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung zum Leben und dem Preis des \u00dcberlebens heraus. Damit weist er weit \u00fcber die Darstellug eines medizinischen Falles oder Einzelschicksals hinaus. In Montage und Bildgestaltung vollzieht Isolator II die Vernetzung des Menschen in den medizinischen Apparat nach, die ihn zum Teil einer Maschine werden l\u00e4\u00dft. Doch die Kamera schl\u00e4gt sich nicht auf die Seite der kontrollierenden \u00dcberwachungsinstanzen. Der Blick auf den Proze\u00df einer Knochenmarktransplantation ist kein kalt-medizinischer Blick. Hinter der Kamera bleibt ein Autor sp\u00fcrbar, der wei\u00df, was er zeigt und wovon er spricht, und der den Menschen innerhalb der Apparatur als verletzliches Wesen zeigt.<\/p>\n<p>> zum Seitenanfang<\/p>\n<p>20. DUISBURGER FILMWOCHE<br \/>\nDiskussionsprotokoll NO. 19<\/p>\n<p>ISOLATOR II<br \/>\nDonnerstag, 7. November 1996, 20.00 Uhr<\/p>\n<p>Podium: Martin Zawadzki (Regie &#038; Buch), Gerd Haag (Produzent), Dr. Volker Runde (KMT-Spezialist)<\/p>\n<p>&#8222;\u00c4rzte, die eine menschliche Medizin Fordern, sind keine Arzte, sondern Sozialarbeiter&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;\u00c4rzte sind wie Schachspieler &#8230; gut spielen ist wie eine Ekstase&#8220; (Georges Math\u00e9)<\/p>\n<p>Martin Zawadzki, 1987 mit der Diagnose &#8222;Leuk\u00e4mie&#8220; konfrontiert und 1989 &#8211; nach einer Zeit des &#8222;Herumirrens&#8220; und der Suche nach alternativen Heilmethoden zur Schulmedizin &#8211; durch die Prozedur der KMT gegangen, schildert, da\u00df der: eigentliche Ansto\u00df, Isolator II zu realisieren, von dem ihn damals betreuenden Arzt Dr. Runde gekommen sei. Nach Erstellung eines Kurz-Videos zu der Thematik und nachdem die Frage der Bezuschussung sich gekl\u00e4rt hatte, habe es wider Erwarten (&#8222;wie durch ein Wunder&#8220;) doch noch eine Drehgenehmigung der Klinik gegeben.<\/p>\n<p>Die Entscheidung, den Feuerwehrmann Herrn Knechten &#8211; dem es inzwischen gut gehe &#8211; auf seinem Weg durch die Prozedur der Knochenmarktransplantation zu begleiten, sei nach pers\u00f6nlichem Kennenlernen in der Klinik erfolgt. Habe man zu Beginn des Films den Eindruck, Herr Knechten stimme voller Hilflosigkeit einem Projekt zu, sei im weiteren Verlauf der Eindruck einer entstehenden Freundschaft zwischen Zawadzki und Herrn Knechten entstanden, beschreibt Didi Danquart.<\/p>\n<p>Er habe Herrn Knechten viele Informationen geben k\u00f6nnen, als Betroffener und mit dem Verlauf der Prozeduren Vertrauter, und sei letztlich zu einer Art &#8222;Ansprechpartner&#8220; geworden, so Zawadzki. Zus\u00e4tzlich habe die Pr\u00e4senz des Filmteams wohl ein Gef\u00fchl der Sicherheit und Privilegierung f\u00fcr den Patienten bedeutet, eine Art &#8222;zweite Kontrollinstanz&#8220;, die \u00fcberwache, &#8222;ob die auch alles richtig machen&#8220;.<\/p>\n<p>F\u00fcr das behandelnde \u00c4rzteteam, ohnehin unter Extremstre\u00df, sei die Gegenwart von Kameras! Filmenden eine enorme Belastung, f\u00fcgte Dr. Runde hinzu.<\/p>\n<p>Auf die Frage, was ihn veranla\u00dft habe, diesen Film zu produzieren, berichtete Gerd Haag, der urspr\u00fcngliche Titel des Films (&#8222;-8+5O&#8220;\/&#8220;MinusAchtPlusF\u00fcnfzig&#8220;) sei eigentlicher Ausl\u00f6ser gewesen: Dieser technische Begriff f\u00fcr etwas, das so tief mit Menschlichem verbunden sei, habe ihn beeindruckt, die Abbildung von &#8222;Gro\u00dfmedizin&#8220; sei ein dokumentarisches Filmthema, das BE- TREFFE. Spannend auch der Zusatz, da\u00df es eine &#8222;Klasse von Redakteuren&#8220; gebe, die erst anhand einer solchen Thematik ihre individuelle K\u00f6rperlichkeit zu entdecken beg\u00f6nnen und aus dieser Subjektivit\u00e4t heraus den Film ablehnten.<\/p>\n<p>Die Art der GEWALT, die der Film pr\u00e4sentiere, sei &#8211; f\u00fcr Nicht-Mediziner &#8211; abschreckend, kaum ertr\u00e4glich. Die unglaubliche Brutalit\u00e4t, mit welcher der Film sofort einsteige, habe etwas von &#8222;reality show&#8220;, die Mischung aus ANGST und SENSATION l\u00f6se Fluchtimpulse beim Zuschauer aus, so Danquart.<\/p>\n<p>Zawadzki empfindet den Anfang des Films keineswegs als &#8222;abschreckend&#8220;. &#8222;Es ist eben so&#8220;, und gleichzeitig auch wieder etwas vollkommen anderes, POTENZIERTER SCHRECKEN, wenn man selbst betroffen sei. Schlagartig entstehe die Erkenntnis, da\u00df es kein Zur\u00fcck mehr gebe: &#8222;point of no return&#8220;. Nur so k\u00f6nne man das In-Gang-Setzen dieser Maschinerie sichtbar machen, versuchen zu verdeutlichen, was diese Apparatemedizin tats\u00e4chlich bedeute.<br \/>\nDas &#8222;Terminator-Thema&#8220;, dieses &#8222;Roboter-System&#8220; \u00fcbe eine Faszination aus. Es symbolisiere eine bestimmte Vorstellungswelt, welche suggeriere, bei Wieder-Austritt aus dieser Sph\u00e4re habe man sich ver\u00e4ndert. Dies sei aber keineswegs der Fall, zumindest komme man nicht &#8222;technischer da raus&#8220;.<br \/>\nDie Architektur dieser &#8222;Fabrik&#8220;, die sich um den in seiner &#8222;Zelle&#8220; als. hermetischem Raum verharrenden Patienten-Menschen schlie\u00dfe, der gleich einem &#8222;Astronauten&#8220; verkabelt sei, garantiere dessen Leben.<\/p>\n<p>Der Film sei gewaltt\u00e4tig, so Werner Ruzicka.<br \/>\nDiese GEWALT sei notwendig, um das Wesen der Medizin zu zeigen, in ihrer Dialektik von SCHMERZ ZUF\u00dcGEN, UM LEBEN ZU K\u00d6NNEN.<br \/>\nDies mache der Film deutlich.<br \/>\nDie Dimension von MEDIZINISCHER KONTROLLE kristallisiere sich heraus. Der Film erreiche die Motivik des &#8222;NEU-GEBOREN-WERDENS&#8220; und schildere die GRENZE VON LEBEN UND TOD.<br \/>\n&#8222;Ein brillanter Film. Ein delikater und radikaler Film.&#8220;<\/p>\n<p>Thematisiert wurden noch Fragen nach Schulmedizin und anderen Heilmethoden, wozu Zawadzki \u00e4u\u00dferte, da\u00df er die Erfahrungen, die er vor der definitiven Entscheidung f\u00fcr die KMT gemacht habe, keineswegs missen wolle. Der &#8222;Apparatemedizin&#8220; stehe er noch immer mit Skepsis gegen\u00fcber. Sich dagegen zu entscheiden w\u00e4re jedoch Selbstmord gewesen, h\u00e4tten ihm andere Methoden doch keine Hilfe bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>LEBEN UND STERBEN. &#8222;Warum willst du nicht sterben?&#8220; z\u00e4hlte zu den zentralen Fragen, die der Film aufgeworfen hatte, bestehe die Notwendigkeit einer Besch\u00e4ftigung mit dieser Frage doch nicht nur f\u00fcr von Krankheit Betroffene.<\/p>\n<p>Zum Schlu\u00df der Diskussion die Frage nach der Reaktion Zawadzkis, h\u00e4tte Herr Knechten die KMT nicht \u00fcberstanden. Dietrich Leder warf ein, da\u00df es sich bei dieser Frage nicht nur um eine moralische, sondern auch \u00e4sthetische handle: HAPPY END MIT FRAGEZEICHEN. Permanent habe Zawadzki doch entscheiden m\u00fcssen, wie er mit dem Privaten, der INTIMITAT VON SCHMERZ umgehen wolle. Zawadzki erkl\u00e4rte daraufhin, Herrn Knechten einerseits zugesichert zu haben, &#8222;keine Schweinereien zu zeigen&#8220; und alles weitere &#8222;am Schneidetisch&#8220; entschieden habe, und zweitens &#8211; h\u00e4tte Herr Knechten den Wunsch ge\u00e4u\u00dfert &#8211; ihn bei seinem Sterbeproze\u00df begleitet h\u00e4tte.<br \/>\nMit der Frage eines potentiellen Tods von Herrn Knechten w\u00e4hrend der Dreharbeiten konfrontiert, formulierte Produzent Gerd Haag, dazu k\u00f6nne er nichts sagen. Wenn man auf dem Nachhauseweg gegen einen Baum fahre, dann wisse man ja auch nicht&#8230;<\/p>\n<p>Liane Sch\u00fcller <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2190 zur\u00fcck DUISBURGER FILMWOCHE F\u00d6RDERPREIS DER DEUTSCHEN FILMKRITIK IN DER SPARTE DOKUMENTARFILM Die Jury der Arbeitsgemeinschaft der Filmjournalisten vergibt den F\u00f6rderpreis in der Sparte Dokumentarfiim an: ISOLATOR II von Martin Zawadzki > Begr\u00fcndung der Jury der Arbeitsgemeinschaft der Filmjournalisten Mo &hellip; <a href=\"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/filme\/isolator-ii\/isolator-ii-forderpreis-der-deutschen-filmkritik\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":149,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"page_0.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-180","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/180","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=180"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/180\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":192,"href":"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/180\/revisions\/192"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/149"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=180"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}