{"id":211,"date":"2011-10-25T09:20:17","date_gmt":"2011-10-25T09:20:17","guid":{"rendered":"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/?page_id=211"},"modified":"2011-10-25T09:44:24","modified_gmt":"2011-10-25T09:44:24","slug":"bild-leipzig-zum-inhalt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/filme\/bild-leipzig\/bild-leipzig-zum-inhalt\/","title":{"rendered":"Bild Leipzig zum Inhalt"},"content":{"rendered":"<p class=\"page-title\"><a href=\"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/?page_id=194\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/BildLeipzig.jpg\" alt=\"Bild Leipzig Videofilm+Computeranimation 1993 \/ 94\" title=\"BILD LEIPZIG\" width=\"180\" height=\"120\" class=\"size-full wp-image-14\" srcset=\"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/BildLeipzig.jpg 180w, https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/BildLeipzig-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"page-title\"><a href=\"https:\/\/zzzfilm.com\/zzz\/?page_id=194\">\u2190 zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p>Das Video &#8222;BILD LEIPZIG&#8220; entstand im Rahmen einer Auseinandersetzung mit westlichen Sichtweisen auf die Ver\u00e4nderungen in der Ex-DDR, mit den Medien- und Werbestrategien des Kapitalismus&#8216; sowie mit den Propagandastrategien des verfallenen DDR-Sozialismus&#8216; am Beispiel Leipzigs.<\/p>\n<p>Zentraler Ort dieser zun\u00e4chst auf den urbanen Raum bezogenen Auseinandersetzung war die Reichs Stra\u00dfe in der Innenstadt Leipzigs. Auf dem Weg vom Hauptbahnhof ins Zentrum der Altstadt \u00fcberquert man diesen idyllischen, halboffenen Platz, der zu DDR- Zeiten gleichsam das &#8222;Fenster&#8220; der Messestadt zur Welt war. Etwas erh\u00f6ht, repr\u00e4sentierte er mit seinem Brunnen, den Gr\u00fcnstreifen und Sitzbankgruppen, und der Bronzeplastik eines jungen Paares &#8211; umgeben von einst\u00f6ckigen Pavillions und hohen Plattenbau-Wohnh\u00e4usern &#8211; die ideale realsozialistische Gesellschaft, wie sie wohl offiziell imaginiert wurde. Leipzig spielte, was die Gestaltung von Au\u00dfenhandelswerbung, Propaganda und Massenveranstaltungen anging, eine Vorreiterrolle in der DDR. Der Modellcharakter des Platzes sollte das angestrebte gesellschaftliche Ideal auch nach Innen herstellen helfen.<\/p>\n<p>Dieses Areal wurde in einer Computeranimation fl\u00e4chen- und volumengetreu nachkonstruiert, die Bauten selber sind jedoch Modellen der russischen Revolutionsarchitektur nachempfunden, im Sinne einer Art R\u00fcckf\u00fchrung auf einen positiv besetzten ideologischen Quasi-Ursprung der industriellen Plattenbauweise.<\/p>\n<p>Nach dem Zerfall des Realsozialismus&#8216; wurde der Stadtraum Leipzigs auf zun\u00e4chst &#8222;chaotische&#8220; Weise, der kapitalistischen Logik folgend, neu definiert. Durch den Zusammenbruch der zentralistischen Verwaltung und die einsetzende Privatisierung bestimmten vor allem einzelne Firmeninteressen, bestimmte das Konkurrenzprinzip die Ver\u00e4nderungen der st\u00e4dtischen &#8222;Benutzeroberfl\u00e4che&#8220;. Werbung, Logos, provisorische Container und &#8222;postmoderne&#8220; Fassadenerneuerungen mischten sich mit den alten Formen und Zeichen; Fl\u00e4chen, die zuvor f\u00fcr kollektivistische Propaganda benutzt wurden, k\u00fcndeten nun vom Gl\u00fcck des individuellen Konsums. Neue Zeichen und alte Spuren zweier gesellschaftlicher Utopien vermischten sich auf engstem Raum auf zum Teil bizarre Weise.<\/p>\n<p>Im Rahmen unserer Recherchearbeit f\u00fchrten wir Gespr\u00e4che u.a. mit ehemaligen Mitarbeitern der DEWAG, die f\u00fcr Agitation und Propaganda im Stadtraum und Choreographien von Massenveranstaltungen verantwortlich waren, sowie mit Bauhaus- geschulten Architekten, aber auch mit Bewohnern der Stadt, die, im Gegensatz zu vielen ehemaligen Funktion\u00e4ren, die inzwischen in der Werbung oder im Immobilienbereich arbeiten, von den sozialen Auswirkungen der &#8222;Wende&#8220; anders betroffen sind.<\/p>\n<p>Wir entwickelten aus all dem die Story von &#8222;BILD LEIPZIG&#8220;, die durch reale Entwicklungen, v.a. nach Fertigstellung des Films, merkw\u00fcrdige Korrespondenzen erfuhr.<\/p>\n<p>ETC.:<\/p>\n<p>&#8222;Massenfertigung von Bauelementen und Serienmontage von Bauwerken geh\u00f6ren zur Grundlage sozialistischer Baukunst. Die Beschr\u00e4nkung und die Einheitlichkeit der Konstruktionsl\u00f6sungen formen den Montagebau von morgen vom Grunds\u00e4tzlichen her. Raumkunst und Gestaltung der Fl\u00e4chen erhalten neue Ma\u00dfst\u00e4be und lassen auf diese Weise den neuen Baustil entstehen. Die Raumbildung und -komposition werden nicht durch individuelle Vorstellungen des einzelnen zu extremistischen Architekturformen verleitet, sondern durch eine einheitliches, r\u00e4umliches Rastersystem einer neuen Qualit\u00e4t der Baukunst zugef\u00fchrt. An die Stelle z\u00fcgelloser Vielfalt der Entwurfsl\u00f6sungen treten Bauwerke, die sich durch eine wohltuende Rhythmik streng koordinierter Ma\u00dfkombinationen und wiederkehrender, einheitlicher Bauelemente auszeichnen. Die geschickte Kombination besonders f\u00fcr die Industrialisierung geeigneter Bauk\u00f6rperformen schafft dynamische Wirkungen der Bebauungskomplexe in Stadt, Land und Industrie in Verbindung mit ausreichenden und ausgleichenden Gr\u00fcnanlagen.&#8220;<br \/>\n(Helmut Achenbach, Montagebauten, 1962)<\/p>\n<p>&#8222;Jeder, ob privat oder Firma, das gro\u00dfe Geld liegt im heutigen Osten! Der heutige Osten ist die neue Form der damaligen Goldgr\u00e4berst\u00e4tten &#8230; Legale Zweitp\u00e4sse f\u00fcr eine Stereoanlage, Firmen\u00fcbernahme ohne Eigenkapital, geheime Devisenkonten, die keinem Amtshilfeabkommen unterliegen, Finanzierungsgeschenke und Steuerfreiheit, 1a-Bonit\u00e4t &#8211; auch wenn Sie den Offenbarungseid schon in den Papieren haben, Frauen satt, auch mit Glatze und Schmierbauch &#8230; So sahnen Sie im Osten richtig ab &#8230; Warum der Osten oft steuerfrei ist &#8230; So steigen Sie in eine Konkursfirma ein und sichern sich Riesenprofite&#8220; (Prospekt der Heinz Moos Verlag GmbH aus Remchingen, Fr\u00fchjahr 1992).<\/p>\n<p>Kurz nach Beendigung der 15-t\u00e4gigen Dreharbeiten Ende 1993, legte die Leipziger Stadtverwaltung ein Papier mit dem Titel &#8222;Arbeit f\u00fcr Leipzig&#8220; vor. Darin hie\u00df es, da\u00df Arbeitsangebote nicht ausschlie\u00dflich der Freiwilligkeit \u00fcberlassen werden d\u00fcrften, Hilfeempf\u00e4nger m\u00fc\u00dften &#8222;per Verwaltungsakt&#8220; zur Arbeit herangezogen werden. Bis zu 5000 &#8222;Arbeitsgelegenheiten&#8220; k\u00f6nnten in Leipzig geschaffen werden. Die H\u00f6he der Bezahlung m\u00fc\u00dfte \u00fcber der Sozialhilfe, aber &#8222;unter der regul\u00e4ren Lohnleistung des 1. Arbeitsmarktes liegen.&#8220; Was damals noch vehement kritisiert wurde, weil es &#8222;Praktiken des Arbeitsdienstes&#8220; oder der Zwangsarbeit \u00e4hnelte, ist inzwischen Usus geworden, nicht nur in Leipzig, sondern danach zun\u00e4chst in Hamburg, und inzwischen in fast allen deutschen St\u00e4dten, unter dem Namen &#8222;Gemeinn\u00fctzige Arbeit&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Setzen wir die Kosten eines rentablen Arbeitsplatzes mit &#8230; 300.000 DM an, dann hei\u00dft das, da\u00df f\u00fcr 1 Million Arbeitskr\u00e4fte Sachkapitalinvestitionen von 300 Milliarden DM n\u00f6tig sind. F\u00fcr die urspr\u00fcnglichen 10 Millionen Arbeitskr\u00e4fte der DDR w\u00e4ren dies 3 Billionen DM. F\u00fcr 100 Millionen Arbeitskr\u00e4fte in Osteuropa 30 Billionen DM. F\u00fcr 150 Millionen GUS-Arbeitskr\u00e4fte weitere 45 Billionen DM. Und f\u00fcr 500 Millionen rentable Chinesen noch einmal 150 Billionen DM.&#8220; (Robert Kurz, Potemkins R\u00fcckkehr, 1993)<\/p>\n<p>Im Dezember 1996 fuhren wir mal wieder nach Leipzig. Die Ankunft im gr\u00f6\u00dften Kopfbahnhof Europas bot eine ziemliche \u00dcberraschung: wir landeten in einer riesigen Baustelle. Im Zuge der Privatisierung der Bundesbahn zur Deutschen Bahn AG vollzieht sich die Privatisierung gro\u00dfer innerst\u00e4dtischer Areale, die fortan nur noch nach rein kapitallogischen Kriterien &#8222;betrieben&#8220; werden sollen. Und auch hier spielt Leipzig eine Vorreiterrolle. Die Idee des &#8222;Kaufbahnhofs&#8220; wird in Leipzig zum ersten Mal von der Deutschen Bahn AG realisiert. Die ehemaligen 10.000 m\u00b2 Bruttogescho\u00dffl\u00e4che f\u00fcr Einkaufszwecke im Leipziger Bahnhof werden durch das Einziehen von 4 zus\u00e4tzlichen Ebenen auf 45.000 m\u00b2 erh\u00f6ht. Um Leipzig herum sind in den letzten Jahren bereits riesige Shopping Malls entstanden. Die Folge: w\u00e4hrend in westdeutschen Innenst\u00e4dten die sog. &#8222;Verkaufsfl\u00e4che pro Einwohner&#8220; 0,4 m\u00b2 betr\u00e4gt, liegt sie in Leipzig vor Er\u00f6ffnung des &#8222;Kaufbahnhofs&#8220; schon bei nur 0,1 m\u00b2. Der Einzelhandel in der Innenstadt ist fast lahmgelegt. 180.000 Besucher soll der &#8222;Kaufbahnhof&#8220; t\u00e4glich anlocken, die 500.000 DM Umsatz versprechen. W\u00e4hrend Leipzig bez\u00fcglich der Bahnhofsgeb\u00e4ude Pilotfunktion hat, ist die Bebauung des Potsdamer Platzes in Berlin durch Daimler-Benz, Sony, u.a. prototypisch f\u00fcr die Privatisierung und Umgestaltung ganzer innerst\u00e4dtischer Areale. Dabei werden erstmalige Erfahrungen gesammelt was Logistik, unterirdische Gleisverlegung, Errichtung von Fundamenten unterhalb des Grundwasserspiegel, etc. angeht. Dasselbe Baukonsortium zieht dann weiter nach Frankfurt, Stuttgart, M\u00fcnchen, K\u00f6ln, (das sog. &#8222;Projekt 21&#8220;). Riesige Fl\u00e4chen in Citylage werden dann f\u00fcr private Investoren frei. Eine mittelfristige Ver\u00e4nderung des sozialen Gef\u00fcges der St\u00e4dte ist somit vorprogrammiert.<\/p>\n<p>&#8222;Die Zukunft beginnt jetzt.&#8220;<br \/>\n(Slogan der Leipziger Volkszeitung 1993)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2190 zur\u00fcck Das Video &#8222;BILD LEIPZIG&#8220; entstand im Rahmen einer Auseinandersetzung mit westlichen Sichtweisen auf die Ver\u00e4nderungen in der Ex-DDR, mit den Medien- und Werbestrategien des Kapitalismus&#8216; sowie mit den Propagandastrategien des verfallenen DDR-Sozialismus&#8216; am Beispiel Leipzigs. 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